Vor einiger Zeit hatte
ich an anderer Stelle einige
Gedanken zum Thema Liebe als sozialem Phänomen veröffentlicht. Ich spitzte sie
damals auf folgende These zu: "Die Kunst des Liebens besteht also darin,
miteinander zu reden obwohl man schweigen könnte." Das Reden würde in
einer Beziehung dazu dienen, sich darüber zu vergewissern, ob das Schweigen
weiterhin berechtigt wäre. Mit anderen Worten, Liebe lebt von der Abweichung
vom Erwartbaren und wird gerade dadurch am Leben erhalten. In einer Ergänzung
wies ich dann darauf hin, dass man wahrscheinlich auch die Romantriologie
"Shades Of Grey" und Eva Illouz' Essay "Die neue Liebesordnung.
Frauen, Männer und Shades Of Grey" in diesem Kontext lesen könnte, denn
die im Roman beschriebenen SM-Praktiken können als solch eine Abweichung vom
Erwartbaren betrachtet werden. SM-Praktiken erscheinen bei einer
oberflächlichen Betrachtung ja nicht gerade als ein Ausdruck von Liebe.