Sonntag, 4. Mai 2014

Künstliche Intelligenz aus soziologischer Sicht



Im Schatten der Zukunft 

Dieser Beitrag wird sich nicht, wie die früheren Beiträge, mit einer bestimmten Form interpersoneller Wahrnehmung beschäftigen. Trotzdem steht das Thema dieses Beitrags in einer unmittelbaren Beziehung zu den Formen interpersoneller Wahrnehmung. Sollte das, worum es in diesem Beitrag geht, jemals realisiert werden, wird diese technische Innovation auch nachhaltige Auswirkungen auf die Formen interpersoneller Wahrnehmung haben. Die Rede ist von Künstlicher Intelligenz. Um sich klar zumachen, um was für einen großen Schritt es sich handelt, wenn eine derartige technische Leistung realisiert werden würde, möchte ich auch von der Erschaffung von Leben auf einer anorganischen Basis ohne einen eigenen Reproduktionszyklus sprechen. Warum ich von Leben spreche, wird im weiteren Verlauf des Textes deutlicher werden.

Sonntag, 30. März 2014

Eine Anmerkung zum systemtheoretischen Funktionalismus



„Will man alles erkennen, wird man allerdings kaum etwas sehen können. Schließlich impliziert jede Beobachtung den Verzicht auf Ganzheitlichkeit. Beobachten heißt unterscheiden, um dann das Unterschiedene zu bezeichnen. Ein Beobachter, der keine Unterscheidungen trifft, wird nichts erkennen können. Eine nur undeutlich formulierte Systemtheorie wird daher kaum praktikabel sein.“

Roland Schleiffer in: Das System der Abweichungen. Eine systemtheoretische Neubegründung der Psychopathologie. Carl-Auer-Systeme Verlag Heidelberg. S, 16

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Schönes Zitat. Schleiffer hat diese Passage zwar im Hinblick auf seinen eigenen theoretischen Anspruch formuliert. Sie trifft aber auch mit Blick auf aktuell schon nicht mehr unter dem Label »Systemtheorie« firmierende Ansätze genau deren Problem. Durch die Form der Theoriebildung, die im Wesentlichen im Generalisieren liegt, bleibt das Ganze auf die eine oder andere Weise trotzdem der Bezugspunkt. Dieser Arbeitsschritt ist unverzichtbar, aber nur die Hälfte der Arbeit. Generalisierung bedeutet, durch die Suche nach der Einheit einer Unterscheidung einen Vergleichshorizont zu konstruieren. Dadurch werden verschiedene Phänomen vergleichbar. Durch die Konzentration auf die Einheit bleiben die Unterschiede zwischen den zu vergleichenden Phänomenen unbeachtet. An diesem Punkt angekommen, müssen nun in Abhängigkeit vom verwendeten Theorieapparat eigene Unterscheidungen getroffen werden, denn die Arbeit kann ja nicht bereits beendet sein, wenn man die Unterschiede weg theoretisiert hat. Ab diesen Punkt erweist sich erst die Fruchtbarkeit einer Theorie. Sie muss eine eigene Perspektive auf die interessierenden Phänomene entwickeln und sie mit eigenen Unterscheidungen rekonstruieren. Leider hält man die Arbeit heute häufig bereits nach der Dekonstruktion der konventionell verwendeten Unterscheidungen für beendet. Entsprechend undeutlich bleiben dann die Beobachtungsergebnisse. Um dieses Problem zu kaschieren, drückt man sich dann häufig in Paradoxien aus.

Dienstag, 18. Februar 2014

Über die biologistische Begründung der Homophobie



Ich habe vor kurzem Matthias Matusseks Bekenntnis zur Homophobie gelesen. Als ob es nicht schon genug wäre, dass sich bestimmte Personen inzwischen öffentlich zu ihren dümmlichen Ressentiments und ihrer Ignoranz gegenüber Homosexuellen bekennen als wäre es das Normalste auf der Welt. Richtig bedenklich wird es erst bei der Begründung. Matusseks naturrechtliches Argument, ganz auf katholischer Linie, lautet, dass aus einer homosexuellen Beziehung keine Kinder entstehen können und deswegen müsse homosexuelle Liebe minderwertig sein. Bedenklich ist daran das biologistische Verständnis von Liebe, wonach eben nur aus heterosexuellen Beziehungen Kinder hervorgehen können. Sicherlich kann man nicht bestreiten, dass es biologisch unmöglich ist durch homosexuellen Geschlechtsverkehr Kinder zu zeugen. Trotzdem bleibt die daraus abgeleitete Minderwertigkeit äußert fragwürdig.

Samstag, 25. Januar 2014

Über Liebe, unfähige Männer und Feminismus*



Vor einiger Zeit hatte ich an anderer Stelle einige Gedanken zum Thema Liebe als sozialem Phänomen veröffentlicht. Ich spitzte sie damals auf folgende These zu: "Die Kunst des Liebens besteht also darin, miteinander zu reden obwohl man schweigen könnte." Das Reden würde in einer Beziehung dazu dienen, sich darüber zu vergewissern, ob das Schweigen weiterhin berechtigt wäre. Mit anderen Worten, Liebe lebt von der Abweichung vom Erwartbaren und wird gerade dadurch am Leben erhalten. In einer Ergänzung wies ich dann darauf hin, dass man wahrscheinlich auch die Romantriologie "Shades Of Grey" und Eva Illouz' Essay "Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades Of Grey" in diesem Kontext lesen könnte, denn die im Roman beschriebenen SM-Praktiken können als solch eine Abweichung vom Erwartbaren betrachtet werden. SM-Praktiken erscheinen bei einer oberflächlichen Betrachtung ja nicht gerade als ein Ausdruck von Liebe.

Samstag, 18. Januar 2014

Liebe ist, wenn man miteinander redet, obwohl man schweigen könnte*



Niklas Luhmann beschreibt die Problemstellung, an der sich Liebe als autonome Kommunikationsform auskatalysiert, als »Alter erlebt und Ego handelt« (vgl. 1982, S. 26f., FN 9). Das bedeutet, eine beobachtete Person (Alter) teilt etwas über ihr Erleben mit und diese Information wird von der beobachtenden Person (Ego) dazu genutzt ihr Handeln daran auszurichten. Das kann, muss aber nicht, in derselben Situation geschehen. Daran entzündete sich bei mir vor Kurzem folgender Gedankengang: